Die Kieferorthopaedie ist das Fachgebiet der Zahnmedizin, das sich mit der Erkennung, Verhuetung und Behandlung von Zahn- und Kieferfehlstellungen befasst. Schiefe Zaehne, Ueberbiss, Unterbiss oder Engstaende sind nicht nur ein aesthetisches Problem – sie koennen auch die Kaufunktion beeintraechtigen, die Zahnpflege erschweren und langfristig zu Kiefergelenksbeschwerden fuehren. In der Schweiz tragen rund ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen irgendwann eine Zahnspange, und auch bei Erwachsenen nimmt die Nachfrage nach kieferorthopaedischen Korrekturen stetig zu.
Wann ist eine kieferorthopaedische Behandlung sinnvoll?
Bei Kindern und Jugendlichen
Der ideale Zeitpunkt fuer die erste kieferorthopaedische Untersuchung liegt bei etwa sieben Jahren, wenn die ersten bleibenden Zaehne durchbrechen. Nicht jedes Kind braucht eine Behandlung, aber eine fruehzeitige Beurteilung ermoeglicht es, den optimalen Behandlungszeitpunkt zu bestimmen.
Haeufige Indikationen bei Kindern sind:
- Engstand: Zu wenig Platz fuer die bleibenden Zaehne
- Ueberbiss (Distalbiss): Der Oberkiefer steht deutlich vor dem Unterkiefer
- Unterbiss (Mesialbiss): Der Unterkiefer steht vor dem Oberkiefer
- Kreuzbiss: Einzelne oder mehrere Zaehne beissen seitlich aneinander vorbei
- Offener Biss: Die Zaehne schliessen im Frontzahnbereich nicht aufeinander, oft durch Daumenlutschen verursacht
Bei Erwachsenen
Kieferorthopaedische Behandlungen sind in jedem Alter moeglich. Erwachsene entscheiden sich haeufig aus aesthetischen Gruenden fuer eine Korrektur, aber auch funktionelle Aspekte spielen eine Rolle. Schiefe Zaehne erschweren die Reinigung und beguenstigen Karies und Zahnfleischerkrankungen. Vor dem Einsetzen von Implantaten oder Kronen kann eine kieferorthopaedische Vorbehandlung noetig sein, um optimale Verhaeltnisse zu schaffen.
Arten von Zahnspangen
Festsitzende Zahnspange (Brackets)
Die klassische festsitzende Zahnspange besteht aus Brackets, die auf die Zaehne geklebt werden, und einem Drahtbogen, der die Zaehne in die gewuenschte Position bewegt. Brackets gibt es in verschiedenen Ausfuehrungen:
- Metallbrackets: Die robusteste und guenstigste Variante. Heute deutlich kleiner und komfortabler als frueher.
- Keramikbrackets: Zahnfarben und daher unauffaelliger, aber empfindlicher und teurer.
- Lingualbrackets: Werden auf der Innenseite der Zaehne befestigt und sind von aussen unsichtbar. Sehr diskret, aber technisch anspruchsvoll und kostspielig.
Herausnehmbare Zahnspange
Herausnehmbare Spangen werden vor allem bei Kindern im Wechselgebiss eingesetzt. Sie bestehen aus einer Kunststoffbasis mit Drahtelementen und wirken auf das Kieferwachstum ein. Sie werden nachts und teilweise tagsueber getragen. Der Erfolg haengt stark von der Tragezeit ab – was bei Kindern und Jugendlichen eine gewisse Disziplin erfordert.
Transparente Aligner (z. B. Invisalign)
Aligner sind durchsichtige Kunststoffschienen, die in einer Serie von leicht unterschiedlichen Formen die Zaehne schrittweise verschieben. Alle ein bis zwei Wochen wird die Schiene gewechselt. Aligner sind nahezu unsichtbar und koennen zum Essen und Zaehneputzen herausgenommen werden – was sie besonders bei Erwachsenen beliebt macht.
Die Eignung von Alignern haengt vom Schweregrad der Fehlstellung ab. Leichte bis mittelschwere Korrekturen lassen sich gut mit Alignern behandeln, waehrend komplexe Faelle weiterhin eine festsitzende Spange erfordern koennen.
Dauer der Behandlung
Die Behandlungsdauer variiert stark je nach Schweregrad der Fehlstellung:
- Leichte Korrekturen: 6 bis 12 Monate
- Mittelschwere Fehlstellungen: 12 bis 24 Monate
- Komplexe Faelle: 24 bis 36 Monate oder laenger
Nach Abschluss der aktiven Behandlung ist eine Retentionsphase unbedingt erforderlich. Ein festgeklebter Retainer (duenner Draht hinter den Zaehnen) oder eine herausnehmbare Retentionsschiene verhindert, dass die Zaehne in ihre alte Position zurueckwandern.
Kosten in der Schweiz
Kieferorthopaedische Behandlungen gehoeren zu den teureren Zahnbehandlungen:
| Behandlung | Ungefaehre Kosten |
|---|---|
| Herausnehmbare Spange (Kinder) | CHF 3'000 – 6'000 |
| Festsitzende Spange (Metallbrackets) | CHF 6'000 – 12'000 |
| Keramikbrackets | CHF 8'000 – 14'000 |
| Lingualbrackets | CHF 10'000 – 18'000 |
| Aligner (Invisalign o. ae.) | CHF 5'000 – 12'000 |
Was bezahlt die Versicherung?
Die obligatorische Grundversicherung uebernimmt kieferorthopaedische Kosten nur bei schweren, medizinisch begruendeten Fehlstellungen – den sogenannten Geburtsgebrechen (z. B. Lippen-Kiefer-Gaumenspalten). Fuer die meisten Behandlungen sind Patientinnen und Patienten selbst verantwortlich.
Zahnzusatzversicherungen uebernehmen je nach Tarif einen Teil der kieferorthopaedischen Kosten, allerdings oft mit Einschraenkungen und Wartefristen. Wichtig: Die Zusatzversicherung muss vor Behandlungsbeginn abgeschlossen werden.
Tipps fuer Patienten
- Beginnen Sie die kieferorthopaedische Vorsorge bei Kindern frueh (ab ca. 7 Jahren)
- Holen Sie mindestens zwei Offerten von verschiedenen Kieferorthopaedie-Spezialisten ein
- Klaeren Sie die Versicherungsleistungen vor Behandlungsbeginn ab
- Achten Sie waehrend der Behandlung besonders auf die Mundhygiene
- Tragen Sie den Retainer nach Behandlungsende konsequent – sonst war die Muehe umsonst