Zahnpflege im Alter: Besondere Beduerfnisse

Zahngesundheit fuer Seniorinnen und Senioren: Altersbedingte Veraenderungen, Prothesenpflege und Tipps fuer die Mundpflege.

Mit zunehmendem Alter veraendert sich der gesamte Koerper – und das gilt auch fuer den Mundraum. Zahnfleischrueckgang, Mundtrockenheit, empfindliche Zahnhaelse und die Herausforderung, Zahnersatz zu pflegen, gehoeren zu den typischen zahnaerztlichen Themen im Alter. In der Schweiz leben immer mehr Menschen bis ins hohe Alter mit ihren eigenen Zaehnen – eine erfreuliche Entwicklung, die aber auch eine angepasste Zahnpflege erfordert.

Altersbedingte Veraenderungen im Mundraum

Zahnfleischrueckgang

Mit den Jahren zieht sich das Zahnfleisch zurueck, und die Zahnhaelse werden freigelegt. Diese Bereiche sind besonders empfindlich und kariesanfaellig, da ihnen der schuetzende Zahnschmelz fehlt. Wurzelkaries ist bei aelteren Menschen ein haeufiges Problem.

Mundtrockenheit (Xerostomie)

Viele aeltere Menschen leiden unter Mundtrockenheit, die verschiedene Ursachen haben kann:

  • Medikamente: Ueber 500 gaengige Medikamente koennen als Nebenwirkung die Speichelproduktion reduzieren, darunter Blutdrucksenker, Antidepressiva, Antihistaminika und Schlafmittel.
  • Erkrankungen: Diabetes, Sjoegrens-Syndrom und andere Autoimmunerkrankungen koennen die Speicheldrueaensen beeintraechtigen.
  • Strahlentherapie: Eine Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich kann die Speicheldruesen dauerhaft schaedigen.

Speichel spielt eine entscheidende Rolle beim Schutz der Zaehne: Er neutralisiert Saeure, spuelt Nahrungsreste weg und liefert Mineralien fuer die Remineralisation des Zahnschmelzes. Mundtrockenheit erhoeht daher das Risiko fuer Karies, Zahnfleischerkrankungen und Mundinfektionen erheblich.

Abnutzung des Zahnschmelzes

Jahrzehntelange Beanspruchung fuehrt zu einer natuerlichen Abnutzung des Zahnschmelzes. Die Zaehne werden flacher, Kaufurchen verschwinden, und die Zaehne erscheinen gelblicher, da das darunterliegende Dentin durchscheint.

Eingeschraenkte Motorik

Arthritis, Rheuma, Parkinson oder ein Schlaganfall koennen die Feinmotorik beeintraechtigen und das Zaehneputzen erschweren. Auch nachlassende Sehkraft und kognitive Einschraenkungen koennen die Mundhygiene verschlechtern.

Tipps fuer die Zahnpflege im Alter

Angepasste Hilfsmittel

  • Elektrische Zahnbuerste: Gleicht motorische Einschraenkungen aus und reinigt oft gruendlicher als die Handzahnbuerste
  • Griffverdickung: Spezielle Griffhilfen oder ein einfacher Trick: Stecken Sie den Griff der Zahnbuerste in einen Tennisball, um ihn dicker und leichter zu greifen
  • Groessere Interdentalbuerstchen: Leichter zu handhaben als Zahnseide
  • Munddusche: Kann als Ergaenzung zur mechanischen Reinigung helfen, ersetzt aber nicht das Zaehneputzen

Fluorid intensiv nutzen

Aeltere Menschen profitieren besonders von einer intensivierten Fluoridzufuhr:

  • Zahnpasta mit hohem Fluoridgehalt (1'450 ppm) verwenden
  • Fluoridhaltige Mundspuelung taeglich anwenden
  • Der Zahnarzt kann regelmaessig Fluoridlack auf freiliegende Zahnhaelse auftragen

Mundtrockenheit bekaempfen

  • Regelmaessig kleine Schlucke Wasser trinken
  • Zuckerfreien Kaugummi kauen, um die Speichelproduktion anzuregen
  • Speichelersatzprodukte (Gels, Sprays) aus der Apotheke verwenden
  • Auf Alkohol, Koffein und scharfe Mundspuelungen verzichten, da sie die Trockenheit verstaerken
  • Dem Zahnarzt die Medikamentenliste zeigen – manchmal kann die Medikation angepasst werden

Zahnersatz pflegen

Herausnehmbare Prothesen

Herausnehmbare Prothesen (Teil- und Vollprothesen) muessen taeglich gruendlich gereinigt werden:

  • Prothese nach jeder Mahlzeit unter fliessendem Wasser abspuelen
  • Taeglich mit einer speziellen Prothesenbuerste und milder Seife oder Prothesenreiniger reinigen
  • Keine normale Zahnpasta verwenden (zu abrasiv, kann die Prothesenoberflaeche verkratzen)
  • Prothese ueber Nacht in Wasser oder Reinigungsloesung einlegen
  • Den Mund und die restlichen Zaehne nach Herausnehmen der Prothese gruendlich reinigen
  • Prothese regelmaessig vom Zahnarzt kontrollieren lassen, da sich der Kiefer mit der Zeit veraendert und die Passung abnehmen kann

Implantate

Implantatgetragener Zahnersatz erfordert besondere Pflege:

  • Gruendliche Reinigung um die Implantatabutments
  • Spezielle Interdentalbuerstchen oder Superfloss fuer die Reinigung unter Bruecken
  • Regelmaessige professionelle Implantatreinigung bei der Dentalhygienikerin
  • Kontrolle auf Periimplantitis (Entzuendung um das Implantat)

Zahnaerztliche Versorgung im Pflegeheim

Fuer Menschen in Pflegeheimen ist die Mundgesundheit oft eine besondere Herausforderung. In der Schweiz setzt sich die Fachwelt zunehmend dafuer ein, die Mundpflege in Pflegeeinrichtungen zu verbessern. Angehoerige koennen unterstuetzen, indem sie:

  • Regelmaessig den Mundzustand ihres Angehoerigen beobachten
  • Das Pflegepersonal auf die Bedeutung der Mundpflege aufmerksam machen
  • Zahnaerztliche Kontrollen organisieren (mobile Zahnmediziner besuchen viele Heime)
  • Geeignete Pflegehilfsmittel bereitstellen

Mundpflege bei Demenz

Bei Menschen mit Demenz kann die Mundpflege besonders herausfordernd sein. Wichtig ist ein geduldiger, respektvoller Umgang. Vertraute Rituale und eine ruhige Atmosphaere helfen. In fortgeschrittenen Stadien muessen Angehoerige oder Pflegekraefte die Mundpflege uebernehmen. Dreikoepfige Zahnbuersten, die alle Zahnflaechen gleichzeitig reinigen, koennen die Pflege erleichtern.

Regelmaessige Kontrollen sind entscheidend

Gerade im Alter sind regelmaessige zahnaerztliche Kontrollen und professionelle Zahnreinigungen unverzichtbar. Probleme wie Wurzelkaries, Mundschleimhautveraenderungen oder schlecht sitzender Zahnersatz sollten fruehzeitig erkannt und behandelt werden. In der Schweiz empfehlen Zahnmediziner aelteren Patienten, mindestens zweimal jaehrlich zur Kontrolle zu kommen – bei erhoehtem Risiko haeufiger.

Kosten und Versicherung

Die Zahnarztkosten fuer Seniorinnen und Senioren werden in der Regel nicht von der Grundversicherung gedeckt. Fuer AHV-Bezueger mit Ergaenzungsleistungen besteht jedoch Anspruch auf Verguetung notwendiger Zahnbehandlungen. Die maximale jaehrliche Verguetung variiert je nach Kanton. Informieren Sie sich bei Ihrer Gemeinde oder Ausgleichskasse ueber die genauen Leistungen.